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Symposium Panel 1: The UNREST Project: Restitution Dreaming as a Decolonial Practice

Logo in verschiedenen Blautönen und schwarz des Festivals Archival Assembly, mit dem Titel "Archive, otherwise", dem Datum und Ort.

Sa 26.09.
09:30

  • Kino

    Arsenal

    zu dem Kalender
  • Panelteilnehmer*innen: Erica Carter, Tamer El Said, Eiman Hussein, Judith Opoku-Boateng

Dieses Panel präsentiert erste Ergebnisse des transnationalen Forschungs- und Archivprojekts Unhousing Restitution (UNREST). Seit Anfang 2026 arbeiten Partner*innen aus den Bereichen Archivwesen und Filmkultur – aus dem Sudan, Ägypten, Ghana, Deutschland, den USA und dem Vereinigten Königreich – gemeinsam mit drei britischen Universitäten an der Entwicklung von Verfahren zur Restitution audiovisuellen Kulturerbes. Die grundlegenden Prinzipien dieser Verfahren werden dabei von kulturellen, bildungsbezogenen und archivarischen Institutionen aus dem Globalen Süden definiert. Im Mittelpunkt von UNREST stehen zwei afrikanische Sammlungen, die über Jahre hinweg in europäischen Archiven festsaßen. Das verstreute Archiv des sudanesischen Filmemachers und Künstlers Hussein Shariffe wurde nach dessen Tod im Kairoer Exil (2005) von Familie und Freunden gerettet; sein schriftlicher Nachlass befindet sich heute in London, während die verbliebenen Original-Filmmaterialien derzeit im Arsenal-Filmarchiv aufbewahrt werden. Der zweite Schwerpunkt von UNREST ist die „Hesse Collection“: eine Sammlung von 50 Filmen der Ghana Film Industry Corporation, die jahrzehntelang in einem Zollfreilager von Iron Mountain in London in der Schwebe hing. UNREST setzt sich für die Rückführung beider Sammlungen ein und stellt dabei eine dekoloniale Ethik in den Vordergrund, die auf sozialer Gerechtigkeit, der Handlungsmacht (Agency) von Akteur*innen aus dem Globalen Süden sowie kollektiver Fürsorge und Reparation basiert. Die Teilnehmenden des Panels reflektieren diese entstehenden Utopien und berichten über die bisherige Arbeit im UNREST-Netzwerk – etwa zu kollaborativer Archivpraxis, Infrastruktur- und Kapazitätsaufbau, gemeinsamer Wissensproduktion sowie zur Rückgewinnung von Geschichte und Erinnerung als Ressourcen für neu entworfene Welten.

Erica Carter ist Professorin für Filmwissenschaft am King’s College London, Fellow der British Academy, Kuratoriumsmitglied der Hussein Shariffe Foundation und Projektleiterin von UNREST. Zu ihren Veröffentlichungen zählen das gemeinsam verfasste Werk Mapping the Sensible: Distribution, Inscription, Cinematic Thinking (2022), Béla Balázs: Early Film Theory (2010) sowie das BFI German Cinema Book (2021). Ihre aktuelle Forschung konzentriert sich auf koloniales Kino, dekoloniale Archivpraxis sowie Archive und audiovisuelles Kulturerbe in Ghana und im Sudan. Carter ist Mitglied des Hussein Shariffe Creative Collective.

Tamer El Said ist Filmemacher und Produzent und lebt in Berlin und Kairo. Seine Filmografie umfasst 17 Filme, die regionale und internationale Auszeichnungen erhielten. Er gründete 2007 die unabhängige Filmproduktionsfirma Zero Production in Kairo. El Said ist außerdem Mitbegründer und künstlerischer Kodirektor der Cimatheque – Alternative Film Centre in Kairo sowie Kodirektor des archivbasierten interdisziplinären Projekts Rewind Forward und Kulturpartner von UNREST.

Eiman Hussein ist unabhängige Forscherin, Therapeutin, Pädagogin, Archivarin und Dichterin. Als Tochter des sudanesischen multidisziplinären Künstlers Hussein Shariffe gründete sie die Hussein Shariffe Foundation und ist Mitbegründerin des Shariffe Creative Collective. Sie arbeitet als wissenschaftliche Mitarbeiterin am King’s College London, um das Archiv ihres Vaters zu bewahren, zu digitalisieren und wieder zugänglich zu machen. Hussein erforscht Archive als lebendige Räume künstlerischer Praxis und des kulturellen Gedächtnisses, und untersucht dabei Fragen des ethischen Zugangs im Kontext von Mobilität, Vertreibung, Schwarzer Identität, Kolonialgeschichte und Verlusten in Archiven.

Judith Opoku-Boateng ist Leiterin des Archivs der University of Ghana, Forscherin und Expertin für audiovisuelles Kulturerbe. Ausgehend von einer panafrikanischen Vision erstreckt sich ihre Arbeit auf den Erhalt audiovisueller Medien, Kulturerbesammlungen, kommunale Archivierung, Restitution und kreativen Zugang. Als ehemalige Vizepräsidentin der IASA, Mitglied des GAVA Advisory Board und des UNESCO Memory of the World National Committee trägt sie durch bedeutende Projekte, Publikationen, Keynotes und Präsentationen zum globalen Archivdiskurs bei.

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